Mit der Broschüre 2019/20 haben wir begonnen, einen Blick auf die Entwicklung der Theatergruppe Salzgitter-Bad e. V. zu werfen. Anlass war das 40-jährige Bestehen der Theatergruppe, die am 7. November 1977 gegründet wurde. Somit blicken wir nun auf das Jahr 1986.
Theaterjugend und Schülertheater
Bereits im Januar startete die Theaterjugend mit ihrem Stück „Fünf Jugendliche brauchen eine Zukunft“ in das neue Jahr. Professor Schinkengriller glaubt an ein Leben nach dem Tode und erfindet ein Mittel, das einen Menschen ins Jenseits treten lassen soll — mit Rückfahrkarte natürlich. Durch einen Trick flößt er es seinem dämlichen Assistenten Karl-Heinz ein, der prompt vom Sensenmann geholt und geradewegs in die Hölle befördert wird. Beim zweiten Versuch ist Schinkengrillers Putzmann Alfred das Opfer, und es bricht ein Chaos aus, als nebst Alfreds cholerischer Frau und dem deutschen Geheimdienst auch Himmel und Hölle von der Sache Wind bekommen. Die „Salzgitter-Zeitung“ zog das Fazit: „Die Absichten des Stückes sind beachtlich, seine Mittel anspruchsvoll. Die Aufführung wurde diesen Ansprüchen durchaus gerecht, insofern es ihr an Schwung und Intensität des Spiels, aber auch an technischer Präzision nicht im Mindesten fehlte.“ Daneben wurde mehrfach „Nora“ von Henrik Ibsen gespielt, das 1985 Premiere hatte — unter anderem im Lessingtheater Wolfenbüttel. Im Februar veranstaltete die Theaterjugend wieder eine Faschingsfete.
Der Fachverband für Theatererziehung lud zu einem regionalen Schülertreffen in die Aula des Gymnasiums Fredenberg ein. Den Beginn machte die Märchen-AG der Theatergruppe des Gymnasiums Salzgitter-Bad mit dem „König Drosselbart“; die Aula war seit langem nicht mehr so überfüllt, und die Freude der ganz jungen Zuschauer war besonders groß, als auf der Bühne die Teller auch wirklich zerschlagen wurden. Beim Schülertheatertreffen des Kulturamtes in der Aula der Emil-Langen-Realschule in Lebenstedt war die Theatergruppe des Gymnasiums mit „Schule mit Clowns“ vertreten, bei dem die Zuschauer in das Stück einbezogen wurden.
In der Aula des Gymnasiums Salzgitter-Bad brillierte die Theaterjugend mit der Premiere von „Das Mörderspiel“, geschrieben vom sehr aktiven vereinseigenen Autorenduo Sören Pahl und Jens Würfel. Zwei Autoren streiten darüber, wessen Fassung ihres gemeinsamen Stücks die bessere ist, und wollen einzelne Szenen einfach ausprobieren — doch die Szenen, die auf einmal ablaufen, sind keineswegs nur gestellt. Die Theaterjugend wies ausdrücklich darauf hin, dass der Thriller für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren nicht zu empfehlen sei. Die Zeitung titelte: „Stehende Ovationen für gelungene Premiere“. Es blieb bei dieser einen Aufführung, da mehrere Schauspieler die Schule beendeten.
Mit „Schule mit Clowns“ nach Imatra
Im Mai hatte „Schule mit Clowns“ in der Aula Premiere: Ruhe, Ordnung, Disziplin heißen die Grundsätze des autoritären Lehrers Dr. Sinn, seine Schüler — die Clowns — sehen das allerdings anders. Das Stück endete in einem Triumph der echten Fröhlichkeit, und die Zuschauer dankten Hans-Günter Gerhold und seinen jugendlichen Schauspielern mit anhaltenden Ovationen. Fünfmal wurde es 1986 aufgeführt, unter anderem beim Altstadtfest, an dessen traditionellem Umzug die Theatergruppe ebenfalls teilnahm.
Vom 30. Juli bis zum 12. August 1986 reiste die Theatergruppe erneut in die Salzgitteraner Partnerstadt Imatra in Finnland und belebte damit die 1982 geknüpfte Verbindung zur Theatergruppe „ii teatteri“ wieder. 25 Jugendliche und 12 erwachsene Mitglieder nahmen an der Fahrt teil. Dort führte die Theatergruppe zum ersten Mal das von Gernot Bischoff geschriebene Stück „Wir sind alle Freaks“ auf; „Schule mit Clowns“ wurde auf Wunsch der finnischen Gastgeber sogar zweimal gespielt. Im Bericht der „Salzgitter-Zeitung“ hieß es: „Die Tränen bei Deutschen und Finnen flossen reichlich, ein Zeichen dafür, wie nahe sich Menschen aus zwei Völkern gekommen waren, wie erfolgreich Städtefreundschaften sein können, auf kulturellem Gebiet.“
Am 22. September wurde „Wir sind alle Freaks“, das die Lebensgewohnheiten in der DDR mit denen der Bundesrepublik vergleicht, in der Aula des Gymnasiums Salzgitter-Bad präsentiert — ein sehr schweres Stück, was in der Kritik der Zeitung deutlich zum Ausdruck kam. Als Wintermärchen folgte „Der Froschkönig“, über den die „Salzgitter-Zeitung“ schrieb: „Herzen im Fluge gewonnen.“ Durch kleinere Patzer ließen sich die Jungen und Mädchen auf der Bühne nicht entmutigen, sondern überspielten sie derart verschmitzt, dass sie die Herzen des Publikums gewannen. Es war wieder ein sehr aktives Jahr, obwohl kein neues Stück der Erwachsenenbühne aufgeführt wurde: Seminare, Freizeiten und Probenwochenenden nahmen viel Zeit in Anspruch.
Hans-Jürgen Andreseck


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