Mit der Broschüre 2019/20 haben wir begonnen, einen Blick auf die Entwicklung der Theatergruppe Salzgitter-Bad e. V. zu werfen. Anlass war das 40-jährige Bestehen der Theatergruppe, die am 7. November 1977 gegründet wurde. Somit blicken wir nun auf das Jahr 1985.
Grenzstation Jenseits — Fahrkartenkontrolle
Bereits im März präsentierte die Theaterjugend ihr neues Stück „Grenzstation Jenseits — Fahrkartenkontrolle“, das wieder Sören Pahl und Jens Würfel geschrieben hatten. Die beiden waren unermüdlich und schrieben ein Stück nach dem anderen. Außerdem führten sie noch Regie und übernahmen Hauptrollen, nicht nur in ihren eigenen Stücken. Fast hätte ich es vergessen: Zum Gymnasium gingen sie auch noch. Wie sie das geschafft haben, bleibt ein Rätsel.
Die Handlung: Ein Leben nach dem Tode? Auf alle Fälle glaubt Professor Schinkengriller daran, und er erfindet schließlich ein Mittel, das einen Menschen ins Jenseits treten lassen soll — mit Rückfahrkarte natürlich. Durch einen Trick flößt er es seinem dämlichen Assistenten Karl-Heinz ein, der auch prompt vom Sensenmann geholt wird, jedoch nicht wie erwartet zur ersehnten Himmelspforte, sondern geradewegs in die Hölle befördert wird. Bei einem zweiten Versuch — diesmal ist Schinkengrillers Putzmann Alfred das Opfer — scheint es zu klappen; aber es scheint nur so. Es bricht ein Chaos aus, als nebst Alfreds cholerischer Frau und dem deutschen Geheimdienst auch Himmel und Hölle von der Sache Wind bekommen.
Nebenbei wurden noch mehrmals die Stücke „Die neuen Leiden des jungen W.“ und „Der keusche Lebemann“ aufgeführt, die bereits 1984 ihre Premiere hatten. Auch in diesen Stücken wirkten Schüler mit, die in „Grenzstation Jenseits“ mitgespielt hatten.
Stokkerlok, NDR 2 und die Klesmer
Die Märchenbühne spielte im Mai und Juni wieder „Stokkerlok und Millipilli“, das auch im Rahmen der 16. Braunschweiger Schultheaterwoche im Kleinen Haus des Staatstheaters erfolgreich präsentiert wurde. Das Stück machte allen Mitwirkenden so viel Spaß, dass es danach ein Stück für die Reihe der jährlichen Weihnachtsmärchen wurde.
Im September war die Theatergruppe Salzgitter-Bad beim NDR 2 zu Gast. In der Sendung „Plattenkiste — Hörer machen ein Musikprogramm“ mit Wilhelm Wieben stellten Gernot Bischoff, Angelika Strauß-Bollmann und Jens Würfel den Verein vor. In den Gesprächspausen liefen Schlager und Lieder, die sich die Mitglieder ausgesucht hatten. Leider ging die Zeit zu schnell vorbei, und so blieb vieles Erwähnenswerte ungesagt — ein aufregendes Erlebnis war es für alle trotzdem.
Beim Altstadtfest nahm die Theatergruppe zum ersten Mal am Umzug teil. Außerdem wurde an zwei Tagen das Kabarett-Programm „Die Klesmer“ präsentiert. Damit nicht genug: Am 7. September lief das Programm in Lübeck anlässlich der Sonderzugfahrt „Ein Stadtteil auf Reisen“ und noch einmal in Braunschweig auf dem Kohlmarkt im Rahmen der Kleinkunstwoche.
König Drosselbart und Nora
Als Weihnachtsmärchen wurde „König Drosselbart“ präsentiert, das wieder Gernot Bischoff für die Bühne bearbeitet hatte. Die Aufführung begeisterte die Kinder derart, dass zwei Schulklassen sogar Dankschreiben an die Theatergruppe schickten — unter anderem mit der Bitte, das Stück doch noch einmal in Fredenberg zu spielen. Dieser Bitte wurde im März 1986 entsprochen.
Die Erwachsenenbühne brachte im Dezember „Nora“ von Henrik Ibsen in der Aula des Gymnasiums Salzgitter-Bad zur Aufführung. Das 1879 erschienene Werk heißt im norwegischen Original „Et dukkehjem“, wörtlich: Ein Puppenheim. Der Titel beschreibt die Starre und Eingeschlossenheit, aus der die Protagonistin Nora am Ende ausbricht. Sowohl ihr Vater als auch ihr Mann behandeln sie, den zeitgenössischen gesellschaftlichen Konventionen entsprechend, als einen Besitz, der ihnen zwar kostbar ist, dem sie aber kein Eigenleben zubilligen.
Zu diesen Aktivitäten kamen natürlich noch Seminare, Freizeiten und Probenwochenenden. Die Theaterleidenschaft der Akteure blieb ungebrochen. (Hans-Jürgen Andreseck)