Mit dieser Produktion hat sich Joulia Meckoni einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Gerade in der Pandemiezeit, in der nur Kleingruppen möglich waren, packte sie es an: Bernward Ritter kam als Spielpartner an Bord, Hans-Günter Gerhold als Regisseur und später Anne Schimmeyer als Souffleuse. Dass die Probenzeit zwei Jahre dauern würde, konnte zu Beginn niemand ahnen — aber alle hielten durch. In einer so schwierigen Zeit ein so ernstes Stück in Angriff zu nehmen, ein völlig anderes Genre zu wagen und ein Zwei-Personen-Stück über 100 Minuten durchzuziehen, war eine Herausforderung und ein Wagnis.
Darum geht es
Eine leere Kirche, kalte Betonwände, eine Bank. Sie kommt herein, er wartet auf sie. Zwei Menschen, die einst ein gemeinsames Leben hatten, treffen sich nach neun Jahren wieder: Auf dem Friedhof wurde Gift entdeckt, einige Gräber müssen verlegt werden — auch das ihres Sohnes, der vor zehn Jahren nach einem tödlichen Unfall dort begraben wurde. Aber was haben sie sich nach all den Jahren der Stille eigentlich noch zu sagen? Es beginnt ein tastendes Gespräch, Erinnerungen werden wach, dazu Wut, Schmerz und viele Vorwürfe. Sie ist im Familienhaus geblieben, traurig und verbittert, und kann immer noch nicht verstehen, warum er weggegangen ist. Er hat ein neues Leben angefangen, eine neue Familie gegründet und kann nicht verstehen, „dass sie immer noch in ihrer Trauer badet“.
Drei Aufführungen im März 2022
Gespielt wurde in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Salzgitter-Bad. Die Zuschauer hingen wie gebannt an den Lippen der Protagonisten, die schlicht „Er“ und „Sie“ genannt werden, und verfolgten das ausdrucksvolle Mienenspiel sowie die ausgefeilte Gestik. Pausen muss man aushalten können. Sehr überzeugend stellten Joulia Meckoni und Bernward Ritter die wechselnden Gefühle dar: Verzweiflung, Wut, Trauer, Hoffnung und vergangene Liebe. Resümee: anspruchsvolles Stück, großartige Leistung.
Das Theaterstück stammt von der Niederländerin Lot Vekemans; ins Deutsche übersetzt wurde es von Eva Pieper und Alexandra Schmiedebach.


Schreibe einen Kommentar