„Die Mörder finden immer wieder ihren Weg nach Amber Hall. Und dann findet Amber Hall sie. Das ist Gerechtigkeit.“ Mit diesen Worten entließ die selbstgerechte Haushälterin Signora Milani — Christina Grulke — die Zuschauer aus einer Welt, in der auch unaufgedecktes Unrecht bestraft wird.
Mit dem Horrorstück „Amber Hall“ von Lars Lienen meldete sich die neu zusammengesetzte Jugendbühne nach zehn Jahren Abstinenz zurück. An drei Tagen hintereinander ließ das Mädchen-Sechstett um die Regisseurin Sarah K. Broser knapp 300 Zuschauer in der schaurig-schönen Atmosphäre der ausverkauften Kniestedter Kirche erschaudern, als das herrschaftliche Anwesen Amber Hall seine Pforten öffnete.
Darum ging es
Nach dem Tod einer entfernten Tante erben die von Pech verfolgten Waisen Emily und Alanna Roslin ein unglaubliches Vermögen. Dank der Hilfe ihrer Anwältin Liz Tigh scheinen sich mit dem Kauf von Amber Hall endlich alle Träume von einem sorgenfreien Leben zu erfüllen. Doch die Zuschauer wittern sofort, dass die strenge Haushälterin Signora Milani und die Köchin Marie nicht die guten Seelen sind, für die man sie hält.
Schon nach kurzer Zeit treiben unheimliche Klavierklänge und Kinderlachen die labile Emily an den Rand des Wahnsinns. Anders als Alanna, die einen erneuten Nervenzusammenbruch ihrer Schwester vermutet, geht Liz den Geschehnissen auf den Grund. Dabei stößt sie auf Mörder und Mafiosi, die allesamt vom Geist der jungen Charlotte heimgesucht wurden, bevor sie sich in den Tod stürzten. Und schließlich fügen sich die Dinge, wie Milani es geplant hatte: Emily gesteht den perfiden Mord an ihrer verstorbenen Tante Laura, einer guten Freundin Milanis, und wird durch Charlotte ihrer gerechten Strafe zugeführt.
Technik als Teil der Inszenierung
Das Publikum bedankte sich mit großzügigem Applaus und würdigte die Leistung aller Beteiligten — von den etablierten Profis bis zu den Neuzugängen. Mit ausgewählten Videosequenzen und raffinierten Licht- und Toneffekten verwandelten die Veranstaltungstechniker das Bühnenstück in ein einmaliges Erlebnis. Ein großer Dank ging außerdem an alle Helfer bei der Pressearbeit, beim Auf- und Abbau, beim Ausschank und beim Kartenverkauf.
Text: Sarah K. Broser
