In beiden Weltkriegen waren die Ardennen blutiger Kriegsschauplatz; in William Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt“ ist der Ardenner Wald Zufluchtsort für Entrechtete, Geflüchtete und Verbannte, ein Idyll und Experimentierfeld für die Liebe und die Philosophie.
Zwei Brüderpaare und eine Flucht in den Wald
Der böse Herzog Friedrich hat seinen guten Bruder entmachtet und verbannt; Naemi May spielt beide Brüder, sie gehören zusammen wie Licht und Schatten. Der böse Edelmann Oliver (Dayna Guski) treibt seinen jüngeren Bruder Orlando (Sandrina Schuckart) in einen ungleichen Kampf gegen Friedrichs Boxer Charles (Niklas Thoms) — den Orlando wider Erwarten und zur Begeisterung der schockverliebten Rosalinde (Sophie Unterberg) gewinnt. In einem Wutanfall verbannt Friedrich nun auch Rosalinde, seine Nichte, nicht bedenkend, dass seine Tochter Celia (Eric Achenbach) mit ihrer Cousine ins Exil gehen würde. Die beiden nehmen den Narren Probstein (Jule Freytag) mit, der über die Unterdrückung der Wahrheit am Hofe Friedrichs verbittert ist und Orlando vor Olivers Brudermordplänen warnt.
Orlando flieht. Im Ardenner Wald trifft er auf den Herzog und dessen melancholischen Philosophen Jacques (Niklas Thoms) und beginnt, die Bäume mit Gedichten zu behängen, in denen er seine Liebe zu Rosalinde bereimt. Diese ist, inzwischen verkleidet als Ganymed, mit Celia — die sich nun Aliena nennt — ebenfalls in den Wald geflüchtet und entzückt über die Liebesgedichte. Sie fängt ein Spiel mit Orlando an, vorgeblich, um ihn von der Liebe zu heilen. Dabei kommt ihr die Schäferin Phoebe (Ella Boemke) in die Quere, die sich in den angeblichen Jungen verliebt hat und ihren Anbeter, den Schäfer Silvius (Marit Augustin), verspottet und quält. Die Zeit bleibt hier beinahe stehen, bis der böse Oliver im Wald auftaucht und Jupiter (Lina Kämmer) eingreift …
Proben zwischen Prüfungsstress und Freiluftbühne
Auch die Probenden, größtenteils mit den Vorbereitungen für die Abiturprüfungen beschäftigt, fanden, dass „Wie es euch gefällt“ für sie eine Auszeit war, ein Abtauchen aus dem Prüfungsstress. Geprobt wurde meist in der winterkalten Aula. Und weil die Wirklichkeit ja doch alle einholt, überholten die Abiturprüfungen die Probenphase, sodass die Aufführungen — technisch unterstützt von Noah Muthmann und Gina Tombarge — erst nach dem Abitur stattfinden können: dafür im Frühsommer und hoffentlich im Grünen Klassenzimmer. Denn welcher Schauplatz könnte für dies Neverland, Shakespeares Ardenner Wald, passender sein als eine Freiluftbühne?
Friederike Goosmann

Schreibe einen Kommentar